Middle Class Rut: All Walks Of Live

Mittwoch, 30.9.2009

Wirklich Neues gibt's von Middle Class Rut aus dem kalifornischen Sacramento nicht zu berichten - außer, dass sie nach sommerlichen Gastspielen in Europa, unter anderem bei Rock am Ring/im Park, derzeit und auch im Oktober kreuz und quer mit Social Distortion und Strangers durch die USA touren. Ach ja, und ein neues Album soll demnächst kommen, der erste echte Longplayer nach mittlerweile drei EPs und einigen Singles. - "All Walks Of Life" ist schon ein paar Tage älter und unter anderem als B-Seite von "Busy Bein' Born" auf einer limitierten und längst ausverkauften UK-7'' erschienen, und bei diesem Titel fällt wieder einmal auf, wie ähnlich die Stimme von Frontmann Zak Lopez der von Perry Farrell ist - und wie voluminös ein Duo (dr und backing vox: Sean Stockham) klingen kann. Ansonsten kann man mal ins Archiv schauen, dort noch ein paar Details über MC Rut nachlesen und sich die Zeit bis zum Erscheinen des Albums mit dem Anhören von "Busy..." und "New Low" versüßen. - Ja, man merkt's wohl, ich schwächele derzeit etwas: 'ne schweinische Grippe oder Schweinegrippe oder -pest plagt mich mal wieder, mit noch latenten Erkältungssymptomen, jedoch üblen Kopf- und Gliederschmerzen, allgemeinem Unwohlsein und einer Ahnung von Vergänglichkeit. Nur zu gern würde ich mich ins Bett packen, was dummerweise nicht machbar ist, weil ich gerade an einem neuen Webprojekt arbeite, das am kommenden Wochenende an den Start gehen soll. Da kommt's dann auf die paar Zeilen für sortednoise auch nicht mehr an :-/. Obwohl ich manchmal denke: Hä? Gestern etwa. Da hat mir nämlich Google laut Logfile einen Besucher vorbeigeschickt, der exakt die Suchworte "Nicole Augenblicke - so viele lieder sind in mir mp3" eingegeben hatte. Muss ein ganz harter Fan sein, denn mit dieser Suchwortkombination und der Option "Seiten aus Deutschland" tauche ich erst auf der achten Suchergebnisseite auf. Hätte er mal etwas genauer hingeschaut, dann hätte er schon bei Google bemerkt, dass es hier im Februar 2009 nicht um "seine" Nicole ging. Hoffentlich hat er nun nicht sein bisschen inneren Frieden verloren...

Katsen: Let's Build A City

Dienstag, 29.9.2009

Ob sich Chris Blackburn (keyb, voc) und Donna Grimaldi (voc & mehr) AD 2001 nun in Brighton auf einem Kunstgewerbemarkt oder in einem Klamottenladen kennen gelernt haben - da kursieren zwei hübsch ausgeschmückte Versionen im Web -, ist eigentlich unerheblich und wird hier auch nur erwähnt, weil's Zeilen bringt :-). Jedenfalls sind sie dann in Donnas Wohnung gegangen, und da ist es erstaunlicherweise nicht zu sexuellen Handlungen gekommen, sondern sie haben sich zuerst ein paar Platten angehört und dann miteinander musiziert. Das hat, fürchte ich, anfangs noch keine so professionellen Ergebnisse erbracht, denn sonst hätte man ja schon viel früher von ihnen hören müssen. Gestern aber gab es nun endlich den verdienten Lohn für acht Jahre beharrlichen Übens, und zwar in Form des bei Thee SPC erschienenen Debütalbums "It Hertz". - Und das ist saugut und tut überhaupt nicht weh! Katsen nennen sich die beiden als Duo, und was da vordergründig etwas rau als Electroclash im Casiogewand daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinhören als Aneinanderreihung von exquisit arrangierten Songperlen mit Harmonieabfolgen, die mich immer mal wieder an Depeche Mode erinnern - Depeche Mode mit Kurzschluss im Equipment und auf Speed, sozusagen. Davon zeugt auch der heutige Track des Tages, der schon im August als Vorabsingle veröffentlicht wurde, und außer "Let's Build A City" sollte man sich unbedingt noch "What You Want" und vor allem "Florian" anhören. Und dann am besten das ganze Album! - Chris Blackburn, der auf Fotos und in den vom Duo selbst fabrizierten Videos oft wie der junge Charlie Sheen und hinter seinen Keyboards plötzlich wie Ron Mael von den Sparks aussieht, und Donna Grimaldi (...vielleicht erbt sie ja mal Monaco), die wie - na, eben wie Donna Grimaldi aussieht, pflegen übrigens eine gewisse Deutschtümelei, wovon (vermutlich) nicht nur der Bandname zeugt, sondern auch Tracks wie das bereits erwähnte "Florian" oder "German Film Star" (Cover-Version eines Passion-Titels). Mit diesem in bester Thomas-Mann-Tradition fast sieben Word-Zeilen umfassenden Satz verabschiede ich mich in den verdienten Feierabend...

Gyratory System: Sea Containers House

Sonntag/Montag, 27./28.9.2009

Edit 27.9.2009, 21:30 Uhr: Muss leider aus aktuellem Anlass - akute Arbeitsüberlastung - den Sonntags-Track auch den Montag über auf der Startseite belassen. "Leider"? Na, bei dem Titel kommt mir das fast gelegen... +++ Due to some 'pressure of work', I've gotta leave Sunday's track on the start page another day. Nuthin' to commiserate about - such a beautiful piece of music!
Letztes Mal habe ich sie, weil ich's einfach nicht abwarten konnte, an einem Donnerstag präsentiert, diesmal habe ich mich bezähmen können und ihnen den "heiligen", den dem Besonderen und Außergewöhnlichen vorbehaltenen Sonntag reserviert: Gyratory System aus London... - Nach "Cargo Cult" nun also "Sea Containers House" - das zeugt von Konsequenz :-)! Und ich find's unglaublich toll, was Andrew Blick (Trompete und Programmierung), sein Vater Robin (diverse Holz- und Blechblasinstrumente), James Weaver (Bass) und Laurie Waller (Schlagzeug) da wieder einmal abgeliefert haben: atemberaubendes Gemisch aus gesampelten Naturklängen und solchen aus dem Computer, aus treibendem Rhythmus und Momenten der Stille, aus Einflüssen, die von Weill über Jazz und Rock und die Elektronikpioniere bis hin zu 1001 Nacht reichen. Kontrapunktische Musik in Vollendung, voller verblüffender Einfälle, mit einem wahrhaft furiosen Finale und zu allem Überfluss auch noch mit einem gelegentlichen Augenzwinkern präsentiert - ja, mehr geht doch eigentlich gar nicht! - "Sea Containers House" stammt von der gleichnamigen EP, die am vergangenen Montag beim Londoner Indie Label Angular Records erschienen ist, erhältlich als limitierte 7''-Pressung mit der B-Seite "The Hardest Science To Forget" und als Download-EP mit den zusätzlichen Titeln "Wake Up Juice" und "Shirley Crabtree". Die solltet ihr euch unbedingt kaufen, am besten gleich beide Versionen ;-). Und ich mache jetzt vor Erreichen der täglichen Mindestanzahl Zeilen Schluss, weil man Musik auch kaputtschreiben kann. Die sollte man sich lieber anhören, besonders in diesem Fall...

Second Left: London To Paris (Original Mix)

Sonnabend, 26.9.2009

Eigentlich hätte ich den heutigen Track des Tages gestern und den von gestern heute vorstellen sollen, denn "London To Paris" ist so ein richtiger Wochenend-Einstimmer: "weit", positiv, optimistisch und von Sound und Struktur her ein bisschen wie eine Mischung aus Shapeshifters und 16 Bit Lolitas klingend. Aber vor allem nach Ben Preston, denn der steckt hinter dem Pseudonym Second Left... - Wenn man sich bei MySpace anschaut, was der allein in den letzten zwölf Monaten so alles abgeliefert hat, kann einem schon ganz schön schwindlig werden. Seine eigenen Arbeiten veröffentlicht der Producer, Remixer und DJ aus dem südostenglischen Guildford häufig bei den niederländischen Labels Black Hole Recordings (betrieben von Tiësto) und Electronic Elements, das zu Armin van Buurens Armada-Gruppe gehört, mal unter seinem bürgerlichen Namen, mal als Second Left. Daneben ist er auch noch Mitglied der Duos Tastemakers und Soulmakers, remixt auf Teufel komm raus und tourt als DJ durch die Clubs. Das füllt ihn aber sichtlich nicht aus, und darum schreibt er so ganz nebenbei jede Menge Stücke für Kollegen, komponiert Musik für Werbung und Konsolenspiele und bringt als Toningenieur Fremdproduktionen auf Vordermann, wie etwa diese hier :-), für die ich im Juni ein Video geschnitten habe. Und damit muss er wohl wie ich zu jenem Menschenschlag zählen, der mit nächtlichen vier bis fünf Stunden Schlaf bestens auskommt... - "London To Paris" ist am letzten Montag als Double-A-Side (Download) beim schon erwähnten Label Electronic Elements zusammen mit "Mr. Tickles" erschienen, und wenn das auch kein Titel ist, der die Welt verändern oder Progressive House revolutionieren will oder wird, zählt er für mich doch zu den erfreulichsten Veröffentlichungen der letzten Monate: Gute-Laune-Musik von einem absoluten Könner, der sich nicht nur aufs Musikalische versteht, sondern seine Produktionen auch gleich noch mit einem Spitzensound versieht. Ich ordne "London To Paris" mal der Oberkategorie Dance zu und ziehe heute schon einen Platz unter den Tracks des Jahres 2009 in Erwägung, und zwar allen Ernstes!

Dankann: You Make Me Feel

Freitag, 25.9.2009

Das ist irgendwie ein ganz merkwürdiger Progressive-House-Track: Fängt recht konventionell an, setzt dann ein paar nette Akzente mit "spacigen" Sounds - und lässt bei 2:17 plötzlich ein sehr italienisches Piano erklingen, das mich spontan an die goldenen Tage von Ryan Paris ("Dolce Vita") und Gazebo ("I Like Chopin") denken lässt (hinter beiden Titeln steckte übrigens derselbe Komponist und Produzent, nämlich Pierluigi Giombini). Dazu gesellt sich flugs eine vom Synthie simulierte verzerrt-verhallte Gitarre, bei 3:00 setzen - noch italienischer anmutende! - Handclaps ein. Und als ich das alles gerade halbwegs verdaut habe, die Sonne in meinem Herzen aufgehen lasse und denke: "Hey, jetzt geht hier aber die Italo-Disco-Post ab!" - da vollzieht "You Make Me Feel" ab so circa 3:35 eine völlig unerwartete Wendung zu etwas dunkleren Farben hin und zieht erst einmal stringent ein lupenreines House-Ding durch. Das wird gut zwei Minuten später noch einmal durch Piano/Gitarre/Handclaps unterbrochen, und endlich klingt das alles "housig" aus. Respekt, darauf muss man erst einmal kommen! - Das mit dem italienischen Feeling ist natürlich kein Zufall, denn Dankann heißt bürgerlich Emanuele Carrieri und gibt bei MySpace gleich drei italienische Städte als Wohnsitze an: Milano, hierzulande eher als Mailand geläufig, Bari und Monopoli. Ich kannte den bislang noch nicht, und das liegt wohl daran, dass der junge Producer und Remixer gerade erst seinen großen Durchbruch erlebt. Tiësto und andere Szene-Größen legen ihn auf, bei Beatport war er in diesem Jahr schon mehrfach in den vorderen Rängen der Download-Charts vertreten, und das wird ihm womöglich auch mit dem einen oder anderen Titel der am 15. September von Starlight Records veröffentlichten "Helia"-EP gelingen. Die enthält außer "You Make Me Feel" noch das titelgebende Stück als Original Mix, Club Mix und Radio Edit sowie die Tracks "Wanted", "Rain" und "Suburban" als Original Mixe - fast schon ein richtiges Album und alles "selbstgestrickt", also ohne fremde Remixe. Hübsche Sache, und dem Track des Tages hab' ich bei YouTube 5 Sterne spendiert, wenn auch nach längerem Zaudern, weil ich dort doch Bewerter Nr. 13 war :-)...

Japanese Voyeurs: Dumb

Donnerstag, 24.9.2009

Wäre Romily Alice gut fünfundzwanzig Jahre früher auf die Welt gekommen, dann hätte sie mit der Stimme sicher auch bei Stock Aitken Waterman landen und mit Micky-Maus-Pop Erfolg haben können. Weil sie aber vermutlich noch nicht einmal auf der Welt war, als das englische Produzenten-Team dieselbe mit Hits am Fließband beglückte, hat sie sich lieber ein Tattoo stechen lassen und strebt jetzt eine Karriere als Frontfrau der Londoner Formation Japanese Voyeurs an, die mit Micky-Maus-Pop aber auch gar nichts im Sinn hat... - Wie der Rest der fünfköpfigen Truppe heißt, weiß ich nicht - verwertbare Fakten sind derzeit im Web noch dünn gesät. Aber die Blogger beginnen sich gerade intensiver mit der nach allgemeiner Meinung zwischen Punk und Grunge angesiedelten und erst seit Anfang des Jahres bei MySpace präsenten Truppe zu befassen, eine Kategorisierung, die den Japanese Voyeurs sicher nicht unwillkommen ist, geben sie sich doch gern nassforsch bis rebellisch. Ob das nun tiefer Überzeugung oder eher marktstrategischen Überlegungen entspringt, wissen nur die Musiker selbst. Ich hingegen konstatiere, dass "Dumb" alles andere als dumm klingt und sich trotz punkiger Versatzstücke näher an den Regionen Metal und Mainstream-Rock bewegt. Das ist so gar nicht "hingerotzt", sondern recht clever arrangiert und zu allem Überfluss auch noch ordentlich aufgenommen und abgemixt worden. Und bei 1:50 geht einem alten Rocker so richtig das Herz auf. Da nehme ich dann auch die etwas gewöhnungsbedürftige Stimme in Kauf... - "Dumb" wird auf der an einigen Stellen für den 5., an anderen für den 12. Oktober avisierten Debüt-EP "Sicking And Creaming" das Eröffnungsstück sein. Vielleicht verbirgt sich hinter dem zumeist genannten und mir völlig unbekannten Label Slimeball Records die Band selbst (siehe auch Bandblog), hier und da wird die kommende EP gar Fiction Records (The Cure, Snow Patrol, White Lies) untergeschoben, aber auf deren Website ist darüber nichts zu lesen - ach, googelt euch doch einfach selber durchs Netz!

Bony Ghosts: The Curse

Mittwoch, 23.9.2009

Das lesen die, so sie's denn lesen, jetzt vielleicht nicht so gerne, aber bei den ersten Klängen von "The Curse" musste ich spontan an die frühen Simple Minds (Gitarren) und gleich darauf an die Editors (Songstrukturen) denken. Hört sich nach einer gewagten Mischung an, ist es aber gar nicht, zumal diesen Einflüssen (?) eine höchst originäre Note aufgeprägt wird, etwa durch die permanent zwischen zurückgenommener Unterkühltheit und lauten Emotionen wechselnden Gesangsparts... - Aus Warrington in Cheshire, fast in der Mitte zwischen Liverpool und Manchester gelegen, kommen Bony Ghosts, und so sehr lange gibt es diese sechsköpfige Formation wohl noch nicht - bei MySpace ist man erst seit Januar 2009 angemeldet, bei "Art des Labels" steht "Ohne Vertrag". Dafür spielen Kev Gregory (voc), Dave Mannion (g), Al McLaughlin (g - der Name verpflichtet ja wohl dazu), Ian Pollard (keyb), Dan Kelly (b) und Andy Moss (dr) mittlerweile landauf, landab (etwa am letzten Sonnabend in London) und haben längst die Aufmerksamkeit der einschlägigen Print- und Online-Magazine erregt. "Riotously talented!" stellt der Observer Music Monthly fest, und der Konzertkritiker des Sheffield Sandman Magazine versteigt sich gar zu einem "The last song of their set made the hairs on the back of my neck stand up!" Da sollte er vielleicht mal über eine gelegentliche Ganzkörperrasur nachdenken, aber ansonsten hat er völlig recht: Gänsehautmusik ist das, die eigentlich nicht in kleine Clubs, sondern in große Hallen und auf die Festivalbühne gehört. - Die Festivalbühnen haben Bony Ghosts schon in diesem Sommer erobert, und dass es im nächsten Jahr auch mit den großen Hallen klappen wird, zumindest als Support von wirklich namhaften Acts, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Tolle, sehr zeitlose Songs und jede Menge Talent - unbedingt im Auge (und Ohr) behalten! Das mit dem "im Ohr behalten" ist übrigens kein Problem, denn auf der Homepage von Bony Ghosts kann man "The Curse" kostenlos downloaden...

Kippi Kaninus: Whyshouldtheyounghavefaith

Dienstag, 22.9.2009

Der Name klingt für deutsche Ohren schon ein bisschen - na, merkwürdig, und natürlich heißt Kippi Kaninus in Wirklichkeit gar nicht Kippi Kaninus, sondern Gudmundur Vignir Karlsson (ich hab' der besseren Lesbarkeit wegen diverse Akzentzeichen über den Buchstaben weggelassen, mit denen hierzulande eh niemand etwas anfangen kann). "Gudmundur" und "Vignir" wiederum klingen verdächtig nach Island, und richtig, genau daher (genauer gesagt: aus Reykjavik) stammt der Interpret des heutigen Tracks des Tages. - Wer mich kennt, der weiß, was ich gerade tue: Ich schinde Zeilen und drücke mich ums Wesentliche. Warum? Weil es gar nicht so einfach ist, über diese Art von Musik zu schreiben. Ich könnte jetzt wieder zu meinem Lieblingsadjektiv "wunderschön" greifen und darauf hinweisen, dass mich "Whyshouldtheyounghavefaith" von der Emotionalität her an "The More That I Do" von The Field erinnert, obwohl die beiden sich bei (vermutlich) ähnlichen Intentionen ganz unterschiedlicher Mittel bedienen. Oder darauf aufmerksam machen, dass mich das mit hypnotischer Eindringlichkeit wiederholte Hauptmotiv heute Abend bis in den Schlaf verfolgen wird. Aber was sagt das letztlich aus? Große, kraftvolle Musik ist das auf jeden Fall, schon sehr "nordisch", dabei geschickt zwischen "Stille" und rhythmusbetonten, von allerlei elektronischen Versatzstücken begleiteten Passagen lavierend, mehr und mehr Spannung aufbauend und schließlich sanft ausklingend. - Das liest sich bei nochmaligem Überfliegen so bescheuert wie banal, und eigentlich hasse ich es ja überhaupt, über Musik zu schreiben - warum ich dann täglich...? Na, ich bin eben ein widersprüchlicher Mensch :-)! Vom neuen Album "Happens Secretly", das am 8. Oktober bei Brainlove Records im UK als limitierte CD und digitaler Download erscheinen wird, stammt der heutige Track des Tages, und gar so neu ist dieses Album eigentlich gar nicht, weil es 2005 schon einmal in Kleinstauflage erschienen ist. - Was Kippi Kaninus sonst so treibt und getrieben hat, muss man ausnahmsweise bei MySpace nachlesen, sonst wird dieser Beitrag zu lang. Erwähnen muss ich aber noch unbedingt das Video zum Track des Tages, das zu den besten gehört, die mir je über den Weg gelaufen sind. Es stammt, wenn ich das richtig verstanden habe, vom Künstler selbst, was dann auch diese phantastische Einheit von Musik und bewegtem Bild erklären würde. Ganz großes Theater, vor dem ich mich in Ehrfurcht verneige!

Caravan: In the Land Of Grey And Pink (1971)

Montag, 21.9.2009

Heute bin ich ganz frech und mach's wie das Fernsehen (...glaub' ich jedenfalls, weil - isch 'abe gar keine Fernseher): Ich zeige einfach eine Wiederholung. Track und Video wurden hier nämlich schon einmal vorgestellt, und zwar am 1. Dezember 2008. Was das soll? Na, das Video stammt von mir, und am 18. September 2009 ist es zum 10.000sten mal angeklickt worden. Das muss A) gefeiert werden, und B) gibt es mir Gelegenheit, meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, nämlich über mich zu schreiben :-). Mehr über Caravan kann man schließlich unter dem vorstehenden Link und dann auch noch hier erfahren. - Mein sechzehntes Video war das, und verwendet habe ich dafür überwiegend Szenen aus zwei amerikanischen Zeichentrickfilmen von 1936 und 1937, die nicht nur unterhalten, sondern vor allem Werbung für die Automarke Chevrolet machen wollten. Produziert hat sie Max Fleischer, vor Walt Disney US-Marktführer in Sachen Animationsfilme (u.a. Popeye, Betty Boop, Superman u.v.m.). So richtig zufrieden bin ich heute mit der Qualität nicht mehr, und statt Rohmaterials in einer Auflösung von 320 x 240 hätte ich besser, wie ich's heute ausschließlich mache, 640 x 480 verwendet. Aber gemessen an den bescheidenen Mitteln, mit denen ich damals "gearbeitet" habe, geht das Ergebnis wohl in Ordnung, und dem einen oder anderen YouTube-Besucher scheint's, die Kommentare zeugen davon, dann ja doch gefallen zu haben. - 40 Videos sind mittlerweile unter dem Dach meines YouTube-Channels versammelt, diverse weitere kursieren unter anderen Mitgliedsnamen - nee, die werden nicht verraten ;-). 10.000 Aufrufe sind, vergleicht man sie mit den Klickzahlen bekannterer Künstler und Gruppen, natürlich ein Witz. Aber das muss man wohl relativ sehen. Einige meiner Videos, die ich für Tracks von dem breiten Publikum gänzlich unbekannten Künstlern gemacht habe, haben es bis dato auf nicht einmal 500 Aufrufe gebracht - und sind mir dennoch ans Herz gewachsen. Und inzwischen häufen sich die Anfragen kleinerer Labels, die kein Budget für "richtige" Videos haben. Schauen wir mal, was aus meiner aktuellen "Produktion" wird. Am Sonnabend kam per Post aus England die neue EP der Funk-Metaller Dr. Slaggleberry, und Ende der Woche wird's zu mindestens einem der darauf enthaltenen Stücke ein neues Video geben...

Luke Shipstad & Dylan Warren: Royak (Original Mix)

Sonnabend/Sonntag, 19./20.9.2009

Edit 19.9.2009, 15:30 Uhr: sortednoise ist gerade auf einen neuen Server umgezogen, deswegen lasse ich den heutigen Beitrag ausnahmsweise zwei Tage online. Und bitte nicht wundern, wenn's hier und da mal etwas "hakt" - während ich dies schreibe, läuft im Hintergrund noch der Upload... +++ Today's article 'n' track will stay online for 2 days - sortednoise has just moved to a new server. Please keep your countenance if not everything is working as well as it should, the upload is still running while I'm writing these lines...

Gestern wurde hier mit Spark 7 aus der Tschechischen Republik ein als "jung" bezeichneter Producer vorgestellt - inzwischen weiß ich, wie jung er tatsächlich ist, hab' aber versprochen, das nicht öffentlich zu machen ;-). Geschlagen wird er aber um Längen von mindestens einem Mitglied des heute angetretenen Producer-Teams: Dylan Warren (im Foto links) aus dem kanadischen Dryden/Ontario ist 15 Jahre alt, und wenn ich mir seinen Kollegen Luke Shipstad aus Bainbridge Island im US-Bundesstaat Washington so anschaue, dann dürfte der auch kaum mehr Jährchen auf dem Buckel haben... - Auf die Idee, es mit zwei Teenagern in der ersten Hälfte ihrer Teen-Jahre zu tun zu haben, dürfte wohl niemand kommen, der ihre Musik ohne Wissen um diesen Fakt hört. Denn die klingt nicht nur reif, sondern auch irgendwie abgeklärt: Progressive House von der mehr relaxten Art, mit einem sehr coolen Bass und getragen von jener eigentümlichen Stimmung, die, so empfinde ich das jedenfalls, eine Reihe von Tracks aus den Studios der Nachwuchsproducer vom nordamerikanischen Kontinent auszeichnet. Höre ich ausnehmend gern, wie übrigens auch die jüngsten Produktionen aus den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts - zwei ehedem verfeindete Regionen, in denen gerade jetzt jede Menge großer Talente heranreifen und frischen Wind in die Trance- und House-Szene bringen. - Mit Auftritten als DJs müssen sich Shipstad & Warren noch zurückhalten, weil - na klar, Jugendschutzbestimmungen und so. Dafür produzieren sie derzeit umso fleißiger und lassen ihre Werke einstweilen von namhaften Kollegen auflegen: Judge Jules, Paul Oakenfold, Marcus Schossow und Miss Nine zählen zum Kreis der Unterstützer. - "Royak" stammt von der insgesamt drei Titel umfassenden "You & I"-EP, am 10. September bei Silk Digital Records erschienen und derzeit ausschließlich bei Beatport erhältlich. Von der empfehle ich noch "Hand In Hand" (wieder mit diesem coolen Bass), und wenn wir schon mal dabei sind, auch gleich den Titeltrack...

Spark 7: Another World (Original Mix)

Freitag, 18.9.2009

Der ist erst im Juli dieses Jahres aus dem Nichts aufgetaucht, hat zwei Singles und eine EP beim deutschen Indie-Label CandyRush Music und jetzt die "Balearic Ecstasy"-EP beim renommierten rumänischen Trance-Label Well Mixed Records herausgebracht: Spark 7, Producer aus der Tschechischen Republik. Und das ist ein Name, den man sich unbedingt merken muss, denn der ist wirklich sensationell gut! - Mit biographischen Details ist er eher zurückhaltend. Beheimatet ist er in der Doppelstadt Frýdek-Místek im äußersten Osten Tschechiens, gerade mal einen Katzensprung von den Grenzen zu Polen und der Slowakei entfernt. Ansonsten kann ich an Fakten nur noch sein jugendliches Alter (bei MySpace bezeichnet er sich selbst als "jung" - ich tippe mal: so um die 20 herum) und seinen Vornamen Petr anbieten (den ich aus einer Mail von ihm kenne). Musikalisch beackert Spark 7 das recht weite Trance-Feld, Unterrubrik Progressive, und seine glasklar abgemixten Tracks zeichnen sich allesamt durch große atmosphärische Dichte und ein fast schon chilliges Feeling aus. - Die "Balearic Ecstasy"-EP ist am 8. September erschienen und derzeit exklusiv bei Beatport erhältlich. Außer dem titelgebenden Track als Original-Mix und Estigma Remix (geht etwas härter zur Sache) enthält sie das heute vorgestellte "Another World", das derzeit zu meinen genreübergreifenden Favoriten zählt. Nach einer längeren Einstimmphase kommt ab 2:20 das in sphärische Electro-Klänge gekleidete Hauptmotiv zum Tragen, und das sollte mich eigentlich tierisch nerven, denn ich bekomme es irgendwie überhaupt nicht mehr aus dem Kopf heraus. Dass ich dann doch nicht genervt bin, muss wohl damit zusammenhängen, dass ich regelrecht süchtig nach "Another World" bin. Eine der schönsten Veröffentlichungen des Jahres und ein ganz großes Talent auf dem Weg nach oben...

Rain Machine: Give Blood

Donnerstag, 17.9.2009

Hinter Rain Machine verbirgt sich der bärtige Herr links, und wenn der dem einen oder anderen Besucher dieser Site nicht ganz unbekannt vorkommt: Klar, das ist Kyp Malone, Gitarrist und Co-Sänger der US-Alternative-Rocker TV on the Radio. Und für die Veröffentlichung des ersten Albums seines Soloprojektes - 21. (Europa) bzw 22.9. (USA); Anti Records, CD und digitaler Download - hat er genau den richtigen Zeitpunkt gewählt, denn TVotR haben sich gerade zu einer einjährigen Pause entschlossen. - "Rain Machine features ten unflinchingly original and emotional songs mixing elements of modern jazz, blue-grass and blistering guitar driven rock into a refreshing new sound", verspricht die Plattenfirma auf ihrer Homepage. Ob's heute noch jemand schafft, einen wirklich neuen Sound zu kreieren, wollen wir mal dahingestellt sein lassen, aber das mit dem "refreshing" geht schon in Ordnung, auch wenn sich Kyp Malone im Grunde der gleichen Inspirationsquellen bedient wie seine Hauptband und seinen musikalischen Output ähnlich vielseitig präsentiert. Was dann den einen oder anderen Kritiker, der sich unter einem "runden" Album womöglich etwas einheitlichere Klänge vorstellt, in leichte Verwirrung stürzt. Tonspion-Rezensent Björn Bauermeister etwa schrieb Ende Juli eigentlich recht positiv über das schlicht "Rain Machine" betitelte Debüt, konnte sich am Ende dann aber doch nur zu vier von sechs möglichen Sternen durchringen, was auf die Schulnote "3" hinausläuft. Ich tendiere dann doch mehr zur "2". - Am 21.9. startet Rain Machine zu einer ausgedehnten Tournee durch die USA und Kanada, um das neue Werk zu promoten. Ach ja, und das rechts abgebildete Album-Cover, von Kyp Malone höchstpersönlich kreiert, wird bei Anti als "provokativ" bezeichnet - bekomme ich da irgendwas nicht mit?

Get Back Guinozzi!: Low Files Tropical

Mittwoch, 16.9.2009

Get Back Guinozzi! (...das Ausrufezeichen gehört zum Bandnamen) ist eigentlich ein Duo, bestehend aus der in London lebenden französischen Sängerin Eglantine Gouzy und dem in Toulon lebenden Multiinstrumentalisten und Elektronik-Tüftler Fred Landini. Richtig Gestalt an nahm das Projekt Anfang 2008, und im September desselben Jahres wurden die ersten Live-Konzerte im UK gespielt, allerdings nicht zu zweit, sondern ergänzt um drei weitere Musiker. Im Juni 2009 hat dann das rührige Indie-Label Fat Cat Records Get Back Guinozzi! unter Vertrag genommen, und als erstes Ergebnis der Zusammenarbeit erschien vorgestern der heutige Track des Tages als Single (7'' Vinyl und digitaler Download). Die ist aber nur ein Vorgeschmack auf das für den 20. Oktober avisierte Debütalbum "Carpet Madness". - "The band's music is infectiously poppy, quirky and breezy, with a strong French slant and a wide range of influences", heißt es auf der Band-Website bei Fat Cat, und dann werden als Einflüsse so unterschiedliche Acts wie Talking Heads, New Order, The Slits, The Residents oder Jonathan Richman und Stile wie Dub, Reggae und gar kambodschanische Musik der 60er genannt. Das lasse ich einfach mal so stehen, weil - so sehr viel anfangen kann ich mit "Low Files Tropical" eigentlich nicht. Immerhin ergänze ich dieses Statement um ein "einerseits", weil ich den Titel andererseits dann doch ganz witzig finde. Wie auch den Bandnamen. Wer herausfindet, was er bedeutet, erhält hier eine lobende Erwähnung :-). - Bei der Verwendung von Begriffen wie "vorgestern" muss ich ein bisschen aufpassen, weil dies, wie in diesen Tagen öfter, ein vorproduzierter Beitrag ist - ich hab' derzeit ein bisschen viel um die Ohren (neue Webprojekte) und bin in diesem Zusammenhang auch mal auf Reisen. Und wenn ich selbst nicht dazu komme, wird der mitternächtliche Upload in Los Angeles vorgenommen, wo es dann freilich nicht Mitternacht ist, sondern 15 Uhr (oder 3pm, wie man dort sagt). Da schicke ich mal ein "Danke!" über den großen Teich, verbunden mit der Hoffnung, dass man sich bald hierzulande wiedersieht (...das "wiedersieht" möchte Word jetzt unbedingt in zwei Worten schreiben, aber nicht mit mir!)...

Hudson Mohawke: Rising 5

Dienstag, 15.9.2009

Versatzstücke von 80s-Pop und Hip-Hop, eine Prise Stevie-Wonder-Feeling, Two Step bzw. UK Garage - Hudson Mohawke bringt das alles locker unter einen Hut und kreiert damit seine sehr persönliche Version von IDM. Der 23jährige aus dem schottischen Glasgow, im "Zivilleben" auf den Namen Ross Birchard hörend, veröffentlicht am 12. Oktober beim renommierten Elektronik-Label Warp Records sein Debütalbum "Butter" (Doppel-Vinyl, CD, digitaler Download), von dem auch der heutige Track des Tages stammt und das 17 (!) weitere Titel umfasst. Die freilich liegen mit Laufzeiten zwischen 1:21 und 4:55 erheblich unter dem branchenüblichen Durchschnitt - Hudson Mohawke setzt sich gar nicht erst der Gefahr aus, mit endlosen Motiv-Wiederholungen und -Variationen zu langweilen, sondern präsentiert seinen musikalischen Output lieber in konzentrierter Form. - Kurz-Bio: professionelles DJing seit dem 15. Lebensjahr, 2006 und 2007 eine Serie von vier EPs als Mitglied des Duos Heralds Of Change (mit Mike Slott; veröffentlicht bei All City Records). Als Solokünstler nach allerlei Underground- und Internet-Veröffentlichungen 2007 die ersten Remixe und 2008 die ersten Eigenproduktionen bei "richtigen" Labels. Firmiert auch unter den Pseudonymen Hud Mo, Hudson Mo und Planet Mohawk. Und steht nun als Warp-Künstler auf einmal ziemlich im Rampenlicht - "Hudson Mohawke" als Suchbegriff erbringt bei Google fast 200.000 Ergebnisse... - "Rising 5" vereint ein entspannt-souliges Feeling mit stark in den Vordergrund gemixten krachenden Drums, und seltsamerweise ergänzen sich diese gegensätzlichen Elemente hier auf das Vorzüglichste. Wenn das kommende Album weitere Titel in dieser Güteklasse zu bieten hat, wird's ein ganz großes Ding...

Curiosity Killed the Cat: Down To Earth (1986)

Montag, 14.9.2009

Auf 3,76 von 5 möglichen Punkten bringt's der heutige Track des Tages in der User-Bewertung bei discogs.com derzeit, "Misfit" erreicht gar nur 3,55 und das Album "Keep Your Distance" ganze 3,09 Punkte. Da sollten mich eigentlich leise Zweifel befallen, verbunden mit der Frage, ob ich Curiosity Killed the Cat womöglich überbewerte. Da ich aber eher nicht zum Zweifeln an mir und meinem - zugegebenermaßen etwas unübersichtlichen - Musikgeschmack neige, zweifele ich lieber am Verstand der Punktegeber und stelle fest, dass "Keep Your Distance" zu den großartigsten Alben der 80er und generell des Pop gehört: sonnendurchflutet und voller Wärme, perfekt arrangiert und produziert, sehr unterschiedliche Stilelemente mit großer Leichtigkeit und wie selbstverständlich vereinend, auf intelligente Art unterhaltend, ohne sich anzubiedern. - "The band played soulful, jazzy, and funky pop music", fasst en.wiki treffend das Wirken von Curiosity Killed the Cat zusammen. Schlagartig bekannt wurden Ben Volpeliere-Pierrot (voc), Julian Godfrey Brookhouse (g), Nick Thorpe (b) und Miguel John Drummond (dr) plus der nie offiziell zur Besetzung gehörende, aber immer präsente Toby Anderson (keyb) 1986 durch das Video zu ihrer Debütsingle "Misfit", in dem Andy Warhol auftrat. Es folgten "Down To Earth" (UK-Charts #3), "Ordinary Day" (1987, #11) und ein Re-Release von "Misfit" (1987, #7). "Keep Your Distance" stieg dann im Mai 1987 direkt auf Platz 1 der Alben-Charts ein, verharrte dort zwei Wochen und blieb insgesamt 13 Wochen in den Top Ten. Das passt, zugegeben, so gar nicht zum oben festgehaltenen Seitenmotto, schert mich aber in Ausnahmefällen wie diesem einen feuchten Kehricht ;-)! - Übrigens war's dann auch schnell wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Das nächste Album "Getahead" (1989) konnte noch nicht einmal ansatzweise an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen, Mercury Records kündigte den Plattenvertrag. Etwas Aufwind gab's noch einmal 1992: Die auf drei Mitglieder geschrumpfte Band nannte sich jetzt schlicht Curiosity und erreichte mit einer bei RCA erschienenen Cover-Version von Johnny Bristols Klassiker "Hang On In There Baby" Platz drei der UK-Charts. Doch weitere Cover-Versionen floppten, und das dritte Album "Back To Front" wurde nur noch in Japan und ein paar weiteren überseeischen Regionen veröffentlicht. - Ben Volpeliere-Pierrot, Sohn des in den 60ern bekannten Models Belinda Watson und des französischstämmigen Modefotografen Jean-Claude Volpeliere-Pierrot (im Elternhaus gingen unter anderem Mick Jagger, George Harrison und Eric Clapton ein und aus) zehrt bis heute vom einstigen Ruhm. Mit wechselnden Begleitmusikern bereist er als Curiosity Killed the Cat die Oldie- und Retro-Festivals landauf, landab. Schade um eine der tollsten Stimmen in der Geschichte des Pop...

Joy Orbison: Hyph Mngo

Sonntag, 13.9.2009

Heute betätige ich mich mal als Trend-Hinterherhinker, denn Joy Orbison hat in den letzten Wochen einen ziemlichen Hype entfacht und ist in und von so ziemlich allen einschlägigen Blogs, Online- und Print-Magazinen nicht nur erwähnt, sondern auch analysiert, bewertet und mehrfach interviewt worden. Und das, obwohl die Debütsingle (Hotflush Recordings, 12'' Vinyl) des 22jährigen Londoners offiziell erst am morgigen Montag erscheint... - Mit 11 oder 12 hat Peter O'Grady, so der bürgerliche Name, Drum 'n' Bass für sich entdeckt, was auf der Hand lag, denn er ist der Neffe von DJ und Producer Ray Keith. Mit 13 wurden die ersten Turntables angeschafft, mit 18 die ersten Experimente mit eigenen Produktionen unternommen, erst unter Zuhilfenahme von Fruity Loops (heute FL Studio), dann, wie sich's gehört :-), mittels Ableton. Der heutige Track des Tages entstand in der Urversion vor ungefähr einem Jahr, zeitgleich wurde das Joy-Orbison-Projekt ins Leben gerufen. Und heute diskutiert die Szene darüber, ob "Hyph Mngo" nun eigentlich noch Dubstep oder mehr UK Garage ist und wie die House-Einflüsse zu bewerten sind, die Peter O'Grady nicht verleugnet. Das liest sich, etwa in den Kommentaren bei YouTube, teilweise recht lustig, auch wenn derlei Diskussionen letztlich so sinn- wie fruchtlos sind. Weit überwiegend wird aber Zustimmung zum Ausdruck gebracht, teils enthusiastisch mit Äußerungen wie "Easily the track of the year". Da mag auch die Fachpresse nicht zurückstehen. Pitchfork-Kritiker Andrew Gaerig vergibt 9 von 10 möglichen Punkten und konstatiert: "The track is self-contained, simple, and weirdly uplifting. If you ever thought claustrophobia could feel triumphant, 'Hyph Mngo' is your floor-filling jam." - Das mit dem "simple" wollen wir mal dahingestellt sein lassen, denn "Hyph Mngo" ist nicht nur ein sehr emotionaler, sondern auch ein sehr clever produzierter Titel (den ich hier leider nur in einer um eine gute Minute gekürzten Version vorstellen kann). Gleiches gilt für die B-Seite "Wet Look", auch wenn die in eine etwas andere Richtung zielt und Detroit-Einflüsse hörbar werden lässt. Und ja, beide Titel zählen, ganz unabhängig von Genre-Zuordnungen, in der Tat zu den wichtigsten Veröffentlichungen des laufenden Jahres und machen immens neugierig auf das, was wir von Joy Orbison in nächster Zeit zu hören bekommen werden...

Armin Prayd: Sunset In Yiangza (Original Mix)

Sonnabend, 12.9.2009

Armin Prayd - das könnte man, wenn's ein Pseudonym wäre, als Anspielung auf den holländischen Trance-Oberguru verstehen, zumal englisch ausgesprochen (...ich stelle mir van Buuren eben im stillen Gebet versunken vor). Ist aber gar kein Pseudonym, sondern der richtige Name eines Chemnitzer Producers, Remixers und DJs, der mit Trance im Stil der Holland-Mafia :-) eher wenig im Sinn hat... - Irgendwie komisch, dass ich auf Armin Prayd erst dieser Tage durch einen YouTube-Upload aufmerksam geworden bin, denn aktiv ist der schon seit 1995. So richtig auf seine eigenen Produktionen konzentriert er sich aber erst seit Mitte der ersten Dekade des neuen Jahrtausends, und da er nicht nur ein begnadeter Multiinstrumentalist ist, sondern sich auch aufs Business versteht, hat er 2006 sein Label Synthetic Records ins Leben gerufen, auf dem dann 2007 seine erste EP "Klangwelt" erschien. Stilistisch wird er generell dem House zugeordnet, aber zu sehr festlegen lassen mag er sich nicht. Als "Fünf Uhr Sonnenaufgangs-Musik" bezeichnet er selbst seine Produktionen und bekennt sich klar zum Sitzen zwischen allen Stühlen. Entsprechend vielfältig kommen seine Tracks daher: von minimalistisch bis üppig instrumentiert, mal mehr in Richtung Tech, mal mehr in Richtung Progressive orientiert. Und irgendwie ist das alles Teil seines eigenen Klangwelt-Universums, durch das man auf seiner Homepage reisen kann. Das freilich wird man nur dann mit Genuss tun können, wenn man nicht wie ich als Bewohner einer ländlichen Region von der Deutschen Telekom mit Light-DSL und 384 kbit/s abgespeist wird... - Der heutige Track des Tages ist am 27. August als Teil der "Yiangza"-EP veröffentlicht worden, die natürlich bei Synthetic Records erschienen ist und außerdem noch den Titel "Sunrise In Yiangza" als Original Mix und Remix des Dresdner Duos Popmuschi enthält. Und da ich eh ein Gegner des Schubladendenkens bin, versuche ich erst gar nicht, "Sunset In Yiangza" zu kategorisieren, vermelde aber, dass hier höchst gekonnt gelegentliche Tech-Aufblitzer mit einer angenehm entspannten Atmosphäre verbunden werden. Klingt mitunter recht karibisch, das Ganze, und so sehr nach Sommer und Strand und endloser Weite, dass sogar ein alter Stubenhocker wie ich ins Träumen gerät. Da spendiere ich zum Dank doch gleich und ausnahmsweise mal den Link, unter dem man alle drei Tracks bei Beatport gegen eine geringe, wenn auch leider nur zum Teil in die Taschen des Künstlers fließende Gebühr downloaden kann...

Passenger 10: Trust In You

Freitag, 11.9.2009

Passenger 10 ist erst seit 2008 aktiv, der Mann, der sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, aber schon seit rund 15 Jahren: Christian Beat Hirt (*1979), geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Zürich, auch und besser bekannt als Chris Reece, ist ein ganz alter Studiofuchs, der sich seit den frühen 90ern mit elektronischer Musik beschäftigt und in den späten 90ern zusammen mit Franky Fonell das legendäre Spiritgroove-Studio ins Leben gerufen hat. Was die beiden bislang als Produzenten-Team so alles auf die Beine gestellt haben, lasse ich auf Platzgründen außen vor - erwähnt seien nur diverse Erfolge in den Schweizer Charts und weltweiter Support durch DJs wie Paul van Dyk, Paul Oakenfold oder Talla 2XLC. - Veröffentlicht hat Hirt seine Titel teils unter seinem eigenen Namen, zum größten Teil aber als Chris Reece, Dinka und Mitglied von Formationen und Projekten wie 7th Sense, Basic Dawn, Seashells oder Shadow Play. Ursprünglich überwiegend mit Uplifting Trance befasst, hat er sich später mehr und mehr Tribal und Progressive House zugewendet. "Trust In You" stammt von der am 4.9. zunächst exklusiv bei Beatport veröffentlichten Download-EP "Avantgarde", und beim erstmaligen Hören des Titels ohne Kenntnis des Interpreten schoss mir ein spontanes "Geil, was Neues von King Unique" durch den Kopf - erinnert am Anfang irgendwie ein bisschen ans geliebte "Yohkoh", schlägt dann aber doch eine andere Richtung ein: cool-lässige Electro-Sounds, überwiegend entspannt zwischen Tech und Progressive House pendelnd und einfach nur schööön. Und mit knapp 6 Minuten, wie hier und da neuerdings Trend, von idealer Länge. Man kann ein Motiv durchaus zu Tode reiten, wovon so mancher 10-Minuten-Mix zeugt. - "Ich bin ein guter House-Producer, aber ein lausiger DJ", sagt Christian über sich selbst in seinem MySpace-Blog. Dennoch gibt's ab sofort auch einen Chris Reece DJ. Der heißt Robbie und ist mit Christian seit Jahren bestens bekannt, weil er sein Büro direkt neben dessen Studio hat. Noch so eine Parallele zu King Unique, heute ein Soloprojekt von Matt Thomas, aber davor jahrelang ein Duo mit ähnlicher Arbeitsteilung. - Eher ungewöhnlich für einen House-Producer: Christian Beat Hirt ist auch als Schriftsteller erfolgreich. Kurzgeschichten von ihm wurden in zahlreichen Anthologien veröffentlicht, sein Debütroman "Westliche Nomaden" erschien 2006 im Mauer Verlag in Rottenburg.

Everything Everything: My Keys, Your Boyfriend (Live, Aug. 2009)

Donnerstag, 10.9.2009

Wozu viel über die schreiben, wenn's mit einem Link auch getan ist? Im März sind Everything Everything hier schon einmal vorgestellt worden, und seitdem hat sich weder an der Bandbesetzung noch an der Bio etwas geändert... - Die Debütsingle "Suffragette Suffragette" erschien im Dezember 2008 bei Salvia Recordings, der Nachfolger "Photoshop Handsome" mit einer kleinen Verzögerung (angekündigt war der Titel schon für April) im Juli 2009 bei Another Music = Another Kitchen, und Single Nr. 3 "My Keys, Your Boyfriend" kommt am 5. Oktober bei Young & Lost Club (auf 500 Exemplare limitierte 7'', digitaler Download). Drei Veröffentlichungen, drei Indie-Labels, bei MySpace bezeichnet sich die Band noch immer als "unsigned" - das sind dann so die kleinen Tücken des Business. Dennoch werden Everything Everything im UK derzeit unter "Next Big Thing" geführt, von Radio-Guru John Kennedy bei Xfm regelmäßig gefeatured und auch von der BBC massiv unterstützt. Da nicke ich ausnahmsweise mal beifällig und behaupte nicht nur, dass das eine der besten und intelligentesten Bands im Grenzbereich zwischen Pop und Rock ist, sondern zitiere auch gleich noch einmal aus meinem März-Beitrag: "Skurriles und Tanzbares, mit scheinbar leichter Hand dahin geworfen, aber doch komplex, voller vertrackter Rhythmus- und Harmoniewechsel, die einen auch nach mehrmaligem Anhören in Erstaunen versetzen. Null Ausfälle, und ich versteige mich mal zu der Aussage: Über all dem liegt ein Hauch von Genie." - "My Keys, Your Boyfriend" spielt lustvoll mit 80er-Elementen und erinnert hier und da an Pop-Perlen von Johnny Hates Jazz oder die von mir überaus geschätzten Curiosity Killed the Cat (die ich an einem der nächsten Montage unbedingt mal wieder hervorkramen muss). Leider kann das Live-Video, obwohl von der BBC produziert, soundmäßig nicht wirklich überzeugen und vermittelt nur eine Ahnung von den Qualitäten der Band. Entstanden ist es Ende letzten Monats beim diesjährigen Reading Festival, und wenn ich's nicht vergesse, werde ich später in den Archivbeitrag noch einen Link zur Studioversion implementieren - sobald diese bei YouTube vorliegt...

Turbowolf: Ancient Snake

Mittwoch, 9.9.2009

Hübscher Bandname, und dann auch noch so passend zur Musik - das geht wirklich turbomäßig ab, was Turbowolf aus Bristol live und im Studio fabrizieren! - Das genaue Gründungsdatum habe ich nicht gefunden, aber ihre MySpace-Seite unterhalten Chris Georgiadis (voc, keyb), Andy Ghosh (g), Jeremy Dunham (b) und Chris Davis (dr) seit ziemlich genau vier Jahren. Angefangen haben sie mal als so eine Art Motörhead-Verschnitt, heute klingen sie immer noch ein bisschen wie eine punkige Variante von Motörhead, die heimlich Electric Light Orchestra und Alice Cooper hört. Vor allem aber klingen sie wie eine Band, der ihre Musik jede Menge Spaß macht. Einen "richtigen" Plattenvertrag haben sie bis heute nicht, und womöglich wollen und brauchen sie den auch gar nicht. Die letzte Single "Read And Write" erschien in diesem Sommer als vornehmlich für Promotionzwecke verschickte CDr bei einem Label namens Lupata Records - der Name verrät dem des Lateinischen Kundigen, wer dahinter steckt. Und das mit der Promotion hat ganz gut geklappt, denn der Titel wird im UK von diversen Radio-DJs massiv unterstützt. Das trifft auch auf den Nachfolger zu: Nur drei Tage nach der Einspielung (!) von "Ancient Snake" im Studio am 14. August wurde der heutige Track des Tages von der landesweit ausgestrahlten Radio 1 Rock Show (BBC) den Freunden der etwas härteren Klänge vorgestellt, andere Sender ziehen derzeit nach. Und damit auch etwas Geld hereinkommt, wird ab heute ausgiebig getourt: Zunächst als Support von The Computers, danach stehen einige Festivaltermine auf dem Programm. - Die weiter oben erwähnte Alice-Cooper-Anspielung kam mir spontan beim ersten Hören von "Ancient Snake" in den Sinn - klingt wirklich ein bisschen wie die besseren Titel des Schock-Rockers aus den frühen 70ern, freilich äußerst gekonnt und vor allem lustvoll in ein zeitgemäßes Gewand gekleidet. Ansonsten ist das Musik, die man gar nicht groß analysieren und zerpflücken, sondern einfach nur genießen sollte. It's partytime...

Golau Glau:
A Better Drinker · Snap · Summer Games · Virtual Boy

Dienstag, 8.9.2009

Viele Blogger und andere :-) Seitenbetreiber haben dieser Tage eine kurze Mail mit einem Downloadlink erhalten - so auch ich, und zwar am letzten Sonnabend. Und wenn man jetzt bei Google "Golau Glau" eingibt, präsentiert die Suchmaschine fast 14.000 Treffer... - Das ist mehr als erstaunlich, denn Golau Glau gibt's erst seit Juni 2009. Seitdem haben die nicht nur 10 eigene Titel und damit praktisch ein komplettes Album eingespielt sowie ein paar Remixe angefertigt, sie haben auch eine der cleversten und erfolgreichsten Werbekampagnen durchgezogen, die zu beobachten ich je die Ehre hatte - ohne großen Etat, ohne Plattenvertrag. Nun werden ihre Stücke von BBC 6, XFM und diversen weiteren großen und kleinen Radiostationen gespielt, die Blogwelt überschlägt sich, und selbst die großen Print- und Online-Magazine und Zeitungen wie der Guardian zollen gebührende Aufmerksamkeit. Der Endverbraucher geht übrigens auch nicht leer aus, denn sämtliche Tracks werden zum kostenlosen Download angeboten. - Zahlt sich das aus? Es wird! Das große Geld ist heutzutage gerade auf den Gebieten Electro und Dance eh nicht mehr mit Plattenverkäufen und legalen (bezahlten) Downloads zu verdienen. Dafür steigen mit dem Bekanntheitsgrad die Gagen für Live-Auftritte und Remix-Aufträge, und ganz schön bekannt sind Golau Glau zumindest im UK mittlerweile. Freilich nur, was den Bandnamen und die Musik betrifft, denn um das Personal des britischen (walisischen?) Electronic-Duos wird derzeit noch ein großes Geheimnis gemacht - keine Namen, keine Fotos. - Nun habe ich schon fast die tägliche Pflicht-Zeilenzahl erreicht und noch immer kein Wort über die Musik von Golau Glau verloren. Der an vielen Stellen geäußerte Vergleich mit Portishead hinkt nicht ganz, weist aber letztlich nur auf eine Facette der mal mehr von Dubstep geprägten, mal mehr danceorientierten Tracks mit gelegentlichen schrägen Orgelklängen, 8-Bit-Reminiszenzen und "Billie Jean"-Zitaten ("Virtual Boy") hin. Unglaublich vielfältig sind die, klingen dabei aber immer wie aus einem Guss und sehr charakteristisch. Eben wie Golau Glau. Als "Silverpop" bezeichnet das Duo seine Stücke, und in der Tat haben sie etwas silbrig Glänzendes und verbreiten eine eigentümliche Stimmung zwischen Melancholie und Glamour, der man sich nur schwer entziehen kann. - Kein Video heute? Nein, aber dafür gleich vier Tracks des Tages - und die kann man sogar downloaden. Bei YouTube steht derzeit noch kein Video zur Verfügung, doch das wird sich spätestens am kommenden Wochenende ändern (...ich hab' so schnell keines hinbekommen). - Noch etwas? Ach ja, die Bedeutung von "Golau Glau". Das sind, so vermelden die beiden Künstler, ganz einfach zwei ihrer derzeitigen Lieblingswörter, die, so finden sie, in dieser Kombination gut klingen. Wozu mir dann wiederum nur ein :-) einfällt...

808 State: Pacific State (1989)

Montag, 7.9.2009

Seinen zwanzigsten Geburtstag hat der heutige Track des Tages in diesem Jahr gefeiert, und vermutlich haben wenige Titel mehr zur Popularisierung elektronischer Musik beigetragen als das unvergleichliche "Pacific State" mit seinem charakteristischen Saxophon-Solo. Welche Version - es existieren zahllose Album-, 7''- und 12''-Varianten, Remixe und überarbeitete Re-Releases - ich hier vorstelle, weiß ich übrigens nicht; eigentlich ist es mir auch ganz egal. Ich hab' bei der Auswahl lediglich auf ordentliche Sound- und Bildqualität geachtet und finde ansonsten, dass es von "Pacific State" keine echten "Ausrutscher" gibt! - 808 State, 1988 in Manchester von Graham Massey, Martin Price und Gerald Simpson (auch bekannt als A Guy Called Gerald) ins Leben gerufen und nach dem legendären TR-808 Drumcomputer von Roland benannt, haben noch im Gründungsjahr ihr erstes Album "Newbuild" veröffentlicht. Erschienen ist es bei Creed Records, einem Label, das Martin Price, damals Inhaber eines Plattenladens, extra für seine neue Gruppe ins Leben gerufen hatte. Die Ur-Version von "Pacific State" gab's zunächst nur auf einer Kompilation von Tracks verschiedener Interpreten. Der Titel gefiel BBC-DJ Gary Davies so gut, dass er ihn ein Vierteljahr lang jeden Tag in seiner Radioshow spielte. Dann endlich wurde er als Single ausgekoppelt und durch Warner Records professionell vertrieben, außerdem erschien er auf dem zweiten Album "Quadrastate". Und in den UK-Charts kletterte er bis auf Platz zehn... - 808 State sind auch heute noch aktiv, aktuelle Besetzung: Graham Massey, Andrew Barker und Darren Partington. Gerald Simpson verabschiedete sich schon 1989, um sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren, Martin Price ging 1992. So sehr viel passiert da im Augenblick nicht, zumal Massey auch noch in vier andere Projekte involviert ist, aber ab und zu werden DJ-Sets absolviert, zuletzt am 15. August.

Good Shoes: The Way My Heart Beats

Sonntag, 6.9.2009

Die waren mal auf dem direkten Weg nach ganz oben. Ihr Video zu "All In My Head" von 2006 ist bei YouTube über 200.000mal angeklickt worden, ihre Singles "The Photos On My Wall" (2006) und "Never Meant To Hurt You" (2007) landeten auf Platz 1 der UK-Indie-Charts. Sie sind mit den Kaiser Chiefs, We Are Scientists und Maximo Park auf Tour gegangen und im November 2007 gar als Headliner durch englische Lande gereist, supported von Lightspeed Champion. Und 2008 haben sie sich auf einmal ganz, ganz rar gemacht... - Jetzt sind Good Shoes, 2004 in London von Rhys Jones (voc, g) und Steve Leach (g) als Duo gegründet und bald um Rhys' Bruder Thomas (dr) und den gemeinsamen Schulfreund Joel Cox (b) ergänzt, wieder da. Ein neues (das zweite) Album ist bereits "im Kasten" und wird im Januar 2010 von Brille Records veröffentlicht. Joel Cox hat sich kurz vor Beginn der Aufnahmen verabschiedet, im Studio wurde er durch Bob Matthews von der Gruppe Right Turn Left ersetzt. Inzwischen hat man in William Church einen neuen festen Bassisten gefunden. Den heutigen Track des Tages hat man am 18. August vorab als kostenlosen Download veröffentlicht, und das der bei YouTube bis zu diesem Moment nur ganze 303mal (und in einer zweiten hochgeladenen Version 190mal) aufgerufen worden ist, ist eine verdammte Schande! "The Way My Heart Beats" ist einer der ungewöhnlichsten und emotionalsten Songs seit langer Zeit und auf dem Sektor Indie-Rock bislang mein absoluter Favorit für 2009: forsches Tempo und eine gewisse Rauheit einerseits, wunderschöne Melodieelemente und eine an den frühen Peter Hook erinnernde Bassline andererseits, darüber Rhys Jones' leicht hektische, aber irgendwie anrührende Stimme - klingt ein bisschen wie New Order kurz nach Joy Division auf Speed und doch sehr eigen und einfach großartig! - Good Shoes haben kürzlich auf dem Dockville Festival in Hamburg-Harburg gespielt, nach einigen weiteren Festivalauftritten in England geht's im November und Dezember auf eine ausgedehnte UK-Clubtour. Und hoffentlich weiter auf dem Weg nach ganz oben...

Russell G: Solstice (Original Mix)

Sonnabend, 5.9.2009

Den klassischen Weg ist er gegangen, unser heutiger Protagonist: DJ seit der Jahrtausendwende, Ende 2006/Anfang 2007 die ersten eigenen Produktionen und Remixe. Jetzt ist er 30, seine Tracks werden regelmäßig von Kollegen wie Armin van Buuren, Eric Prydz oder Tiësto aufgelegt, und wenn er vielleicht auch noch nicht ganz so bekannt ist wie die, so ist er doch gerade dabei, sich in deren Liga zu etablieren. - Russel G alias Richard Russell Greer aus Birmingham hat als DJ mit Trance angefangen, sich Ende 2003 für ein halbes Jahr zwecks Neuorientierung aus dem Business zurückgezogen und dann mit House weitergemacht. Die meisten seiner eigenen Titel sind bei Songbird erschienen, einem Sublabel der von Tiësto gemeinsam mit Arny Bink betriebenen Black Hole Recordings. "Solstice" hingegen wurde als digitaler Download bei Pilot6 Recordings veröffentlicht (Release: 31. August; B-Seite: "3AM"), das zu Armin van Buurens Armada-Gruppe gehört. Der eher ruhige Progressive-House-Track mit deutlichen Trance-Anklängen "riecht" förmlich nach milden Sommerabenden an südlichen Stränden (Solstice = Sonnenwende) und hilft mir nicht unerheblich, das in diesen Tagen recht garstige, den nahenden Herbst ankündigende Wetter auf die leichte Schulter zu nehmen. - Dass sich derzeit ein Möchtegern-Hacker auf dem sortednoise-Server herumtreibt, der seit dem 27. August so stumpfsinnig wie sinnlos rund um die Uhr im Sekundentakt immer wieder (natürlich automatisiert und über ständig wechselnde Proxies) auf die gleichen Seiten zugreift, habe ich in den letzten Tagen ja mehrfach erwähnt. Irgendwie ist er heute ins Stottern geraten - da liegen mitunter stundenlange Pausen zwischen den Zugriffen, das Logfile ist deutlich weniger aufgebläht als sonst. Da bin ich doch schon mal sehr gespannt, was die Ermittlungen des 3. Fachkommissariats der Kriminalpolizei Goslar ergeben, zumal im Hinblick auf den Umstand, dass der Depp vor dem Proxy-Großangriff zwei Tage lang unter seiner echten IP tätig war. Nächste Woche soll's, so hab' ich's läuten hören, erste Ergebnisse geben. Über die werde ich natürlich hier berichten...

Emvy: Luminous (Original Mix)

Freitag, 4.9.2009

Irgendwie hab' ich's letzthin mit den B-Seiten, und um eine solche handelt es sich auch beim heutigen Track des Tages, der auf der "Perpetual Journey"-EP erschienen ist. "EP" steht ja eigentlich für "Extended Play" und somit einen Tonträger, der von der Laufzeit her zwischen Single und Album angesiedelt ist, gewissermaßen ein Mini-Album. Im Dance-Bereich verwendet man dem Begriff aber letzthin immer öfter für etwas, was früher mal schlicht als 12''-Maxi-Single bezeichnet wurde. Erschienen ist die nur die Titel "Perpetual Journey" und "Luminous" umfassende EP am 28. August als fünfte von bislang sieben Veröffentlichungen beim erst seit Juni 2009 aktiven schwedischen Label Sharktone Recordings. Das beschränkt sich, anders als viele Neugründungen, nicht auf das Anbieten digitaler Downloads, sondern präsentiert sämtliche Titel auch auf Vinyl und bedient sich dabei einer einheitlichen Covergestaltung. - Dass ein US-Amerikaner, der sich Progressive Trance und House verschrieben hat, bei einem europäischen Label veröffentlicht, ist eher die Regel denn die Ausnahme, fristet doch diese Art von Musik in seiner Heimat ein Schattendasein. Davon kann auch Emvy, bürgerlich Emil Aghakian, aus Los Angeles ein Lied singen. "DJ services are available throughout the Los Angeles area. Please send your inquiry to..." sucht er in seinem MySpace-Blog nach Auftrittsmöglichkeiten, aber so sehr viele Anfragen wird's da wohl nicht geben. Ganze zwei Remixe und eben die "Perpetual Journey"-EP hat der junge Producer bislang veröffentlicht, und wäre "Luminous" nicht zufällig unter meinen bei YouTube abonnierten Videos aufgetaucht, hätte ich von dem Titel vermutlich nie Kenntnis erlangt. Das wäre schade gewesen, zumal ich, wie hier schon mehrfach erwähnt, ein ausgesprochenes Faible für US-Producer und ihren "weiten" und gleichzeitig "warmen" Sound hege. Klassischer Prog House mit ein paar etwas dunkleren Zwischentönen, zur Abwechslung mal nicht mit Gewalt bis dicht an die 10-Minuten-Grenze gequält, sondern mit 5:38 jede Gefahr einer Überstrapazierung des Hauptmotivs klug vermeidend - "Luminous" macht mir rundum Freude! Mal schauen, was von Emvy in nächster Zeit noch so alles kommt...

Alberta Cross: ATX

Donnerstag, 3.9.2009

Irgendwie kamen die eine Zeitlang nicht so richtig in die Hufe: Alberta Cross, 2005 in London gegründet und heute in New York beheimatet. 2007 erschienen das akustisch-folkloristische Mini-Album "The Thief & The Heartbreaker" bei Geffen (2008 von Ark wiederveröffentlicht) und die rockigere EP "Leave Us Or Forgive Us". Dann platzte der Major-Deal mit Geffen, und 2008 taten sich die beiden Gründungsmitglieder und Songschreiber Petter Ericsson Stakey (voc, g) und Terry Wolfers (b) mit Sam Kearney (g), Alec Higgins (b) und Austin Beede (dr) zusammen. Plötzlich war die Band in aller Munde: Auftritte mit The Shins oder Bat For Lashes, Support für Oasis während der UK-Stadion-Tournee im Oktober 2008. Jetzt steht das Debütalbum "Broken Side Of Time" vor der Tür, das am 21. September 2009 beim jungen Indie Label Ark Records (mit dem die Band einen langfristigen Vertrag abgeschlossen hat) und Anfang Januar 2010 in den USA bei ATO Records erscheint. - Nein, das Rad haben Alberta Cross nicht neu erfunden, Vorbilder wie The Band, Neil Young und diverse andere im Blues wurzelnde Formationen werden in Interviews immer wieder genannt. Verarbeitet werden die aufgegriffenen Einflüsse aber zu etwas, das ungemein frisch, selbstbewusst und so zeitgemäß wie zeitlos klingt: stadiontauglicher Rock der Güteklasse A, sehr melodiös und bei aller Perfektion der Performance noch immer einen Anflug von Rauheit in sich bergend. Dass diverse englische Online- und Print-Magazine im Zusammenhang mit Alberta Cross derzeit vom "Next Big Think" sprechen, verwundert nicht. - "ATX" stammt - natürlich - vom kommenden Album und wird durch ein ohne großen Aufwand gedrehtes, aber sehr überzeugendes Pseudo-Live-Video unterstützt. Wer mag, kann sich den Titel auch noch einmal in einer echten Live-Version anschauen und -hören. Auch wenn die soundmäßig nicht wirklich zu überzeugen weiß, vermag sie doch einen Eindruck von den Qualitäten dieser außergewöhnlichen Band zu vermitteln...

Still Going: Spaghetti Circus

Mittwoch, 2.9.2009

Nein, das ist keine Reunion von Frankie Goes to Hollywood unter anderem Namen - der Sänger klingt ja auch nicht wirklich nach Holly Johnson. Eher nach Reggie Watts, und das ist kein Wunder, denn eben der hat den Track eingesungen. Freilich nur als Gast, ansonsten hat er mit Still Going nichts zu tun... - Erik "Dunks" Duncan ist seit Jahren als DJ, Remixer und Produzent zahlreicher Mix-CDs aktiv und außerdem an den Producer-Teams Rub 'n' Tug (mit Thomas Bullock) und House to House (mit Olivier "Liv" Spencer) beteiligt. Und mit Olivier, der sich ebenfalls schon ein geraumes Weilchen als DJ, Producer und Remixer auf der Szene tummelt, betreibt er noch ein weiteres Projekt: Still Going. 2007 haben die beiden New Yorker mit dem "Still Going Theme" (12'' Vinyl) ihr vielbeachtetes Debüt veröffentlicht, an dem Nachfolger haben sie volle zwei Jahre gewerkelt - na gut, vermutlich nicht ununterbrochen, aber doch immer mal zwischendurch. Gelohnt hat sich die Geduld, die die beiden bei der Produktion von "Spaghetti Circus" an den Tag gelegt haben, allemal: bombastischer Track im positivsten Sinne mit Grand Piano, hübschen (elektronischen) Streichersätzen, einer fetzigen Gitarre und Reggie Watts' einmaliger Stimme. An Italo Disco fühlt sich da, vielleicht inspiriert durch den Titel, der eine oder andere Kritiker erinnert; mir hingegen fiel beim ersten Hören ganz spontan, wie eingangs erwähnt, Frankie Goes to Hollywood ein: House nicht nur für die Clubs, darauf sollten eigentlich etwas breitere Schichten abfahren! - Erschienen ist "Spaghetti Circus" (12'' Vinyl, digitaler Download) in der zweiten Augusthälfte (da kursieren verschiedene Release-Dates) bei DFA; iTunes und alle anderen wichtigen Downloadanbieter halten die EP, denn um eine solche handelt es sich, vorrätig. Rundum gelungener Track, der noch einmal den ausklingenden Sommer aufleben lässt. Wie übrigens auch das atmosphärisch dichte, ungemein relaxte und irgendwie sehr nach New York klingende "Untitled Love", das auf der B-Seite in je einer Vocal- und Instrumental-Version mitgeliefert wird.

Drums of Death: Got Yr Thing / LFO Of My Heart (Live)

Dienstag, 1.9.2009

Erinnert irgendwie ein bisschen an Michael Myers aus den "Halloween"-Filmen, das Outfit, das Colin Bailey seit gut anderthalb Jahren immer dann anlegt, wenn er sich in Drums of Death verwandelt. Und das er selbst nicht übermäßig ernst nimmt - ist halt nur ein Werkzeug zur Unterhaltung des Publikums... - Colin wurde in einem Fischernest an der westschottischen Küste geboren, zog kurz vor Erreichen des zwanzigsten Lebensjahrs nach Glasgow und hat dort in diversen Punk- und Hardcore-Bands gespielt. Irgendwann wurde er vom Electro-Virus infiziert und ging schließlich, nicht zuletzt der besseren Auftrittsmöglichkeiten wegen, nach London. Dort sind seine ziemlich verrückten Shows mittlerweile Kult, auf Tourneen war er unter anderem mit Hot Chip und Peaches (mit der er auch im Studio zusammenarbeitet) unterwegs. Wild und ausgeflippt gibt er sich freilich nur auf der Bühne - der Mann ist privat, wie auch die Interviews mit BBC-Moderator Rob Da Bank im Video zeigen, eher ruhig und weiß sich durchaus kultiviert auszudrücken. - Nach diversen Remixen, drei Singleveröffentlichungen und der EP "Drums Of Death Steps Into the Ring" wird's in nicht allzu ferner Zukunft auch endlich ein "richtiges" Album geben: "Generation Hexed" lautet der Arbeitstitel, erscheinen wird es im Januar 2010 beim Berliner Label (mit Londoner Ableger) Greco-Roman, das auch für die Vorab-Single "Got Yr Thing" (Release: 7.9.2009; 12'' Vinyl, digitaler Download) sorgt. - Das BBC-Live-Video zum Track des Tages (oder besser: den Tracks des Tages) ist schon etwas älter, es entstand Ende 2008. Und der zweite Titel "LFO Of My Heart" zeigt Drums of Death von einer anderen, melodischeren und gefühlvolleren Seite - gefällt mir fast noch besser als "Got Yr Thing"! Auf der Bühne lässt sich Colin Bailey übrigens von einer Band unterstützen - wenn er nicht gerade als DJ unterwegs ist. Seine nicht weniger spektakulären DJ-Sets konnte man auch hierzulande schon bestaunen, etwa am 22. August in der Hamburger Prinzenbar.