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Mindform: Lost (Original Mix)
Freitag, 12. Februar 2010
Dass der heutige Protagonist gleich dreimal auf dem
Foto erscheint, macht schon Sinn, denn Phil Caine veröffentlicht
Musik sowohl unter seinem bürgerlichen Namen als auch unter den
Pseudonymen PJC Project und, natürlich, Mindform.
Das, mit dem wir uns heute befassen, steht laut MySpace-Biographie für
Phils etwas "dunklere" Produktionen, während er als PJC
Project "big room club music" macht, die auch schon mal ein
bisschen in Richtung Uplifting geht. - Was den in Englands Nordwesten
im Lake District bzw. den Cumbrian Mountains beheimateten Producer,
Remixer und DJ von vielen Kollegen unterscheidet, ist der Umstand, dass
er sich die für die Produktion von Musikstücken notwendigen
Aufnahmetechniken nicht selbst beigebracht und dieses "Handwerk"
auch nicht von der Pike auf erlernt, sondern gar studiert hat. Phil
Caine, der schon als Zwölfjähriger mit dem Auflegen begonnen
hat, ist mit 19 nach Manchester gegangen und hat dort nacheinander Abschlüsse
an der Manchester MIDI School und der School of Sound Recording gemacht.
Das dort erworbene Wissen setzt er heute im eigenen Studio nicht nur
für seine, sondern auch für anderer Leute Produktionen ein.
- An dieser Stelle mache ich für heute Schluss mit dem Biographischen,
denn Phil Caine wird hier morgen gleich noch einmal zu Gast sein. "Lost"
stammt von der am 15. Januar bei Manchester Underground Music (MUM)
erschienenen Mindform-EP "Metamorphose (Part One)". Die umfasst
sechs Titel von Progressive bis Tech House, die meisten davon doch ein
wenig "deeper & darker" als der heutige Track des Tages,
den das Label sehr richtig als "New Order influenced" bezeichnet
(mir kommen da vor allem New-Order-Stücke aus der Mitte der 80er
in den Sinn). Toller Dance-Kracher mit Tiefgang, bei Beatport unter
"Progressive House" geführt. Leider kann ich den im Original
7:06 langen Track nur in einer leicht gekürzten Version präsentieren
- MUM hat "Lost" selbst bei YouTube platziert, war aber im
Gegensatz zu manch anderem Label mit dem Kürzen recht gnädig...
Field Music: Them That Do Nothing
Donnerstag, 11. Februar 2010
Field Music sind wieder da! Die 2004
in Sunderland von den Brüdern David und Peter Brewis und ihrem
Freund Andrew Moore gegründete Band, die gleich für ihr erstes
Album "Field Music" reichlich Kritikerlob einheimste, stand
angeblich um 2007 herum schon mal kurz vor der Auflösung, was dann
rasch dementiert wurde - man gönne sich lediglich eine Auszeit,
hieß es. Die wurde gut genutzt. 2008 haben David unter dem Projektnamen
School
Of Language und Peter als The
Week That Was und natürlich mit gegenseitiger Unterstützung
exzellente Soloalben veröffentlicht, die bei sortednoise entsprechend
gewürdigt wurden. - Andrew Moore pausiert auch weiterhin, als zur
aktuellen Besetzung gehörend werden bei MySpace noch Kev Dosdale
(von Razmataz Lorry Excitement) und Ian Black genannt - das harmoniert
nicht so ganz mit dem Bandfoto, aber für weitere Recherchen fehlt
mir heute die Zeit. Das neue Album "Field Music (Measure)"
erscheint am kommenden Montag bei Memphis Industries als Doppel-CD,
"Them That Do Nothing" ist der zweite Track auf der ersten
Disc. Und das ist, mal wieder, Musik, die einem beim flüchtigen
Hineinhören "zwischen Tür und Angel" beinahe ein
bisschen uninspiriert und fade erscheint (zumal die ersten Takte), die
aber mit jedem neuerlichen Anhören "wächst" und
nach und nach ihre Finessen und Schönheit preisgibt: Melange aus
Indie-Pop und -Rock in der Tradition von 10 CC oder Fleetwood Mac (ich
lass' die Beatles mal außen vor), ohne gestrig zu klingen. - Pünktlich
zum Albumstart gehen Field Music auf eine ausgedehnte UK-Tournee, in
der zweiten Märzhälfte werden dann die USA bereist. Die weiteren
Tourpläne sind mir unbekannt, aber ich gehe mal davon aus, dass
man die Gebrüder Brewis & Co. spätestens im Sommer auch
hierzulande auf dem einen oder anderen Festival live erleben kann.
JEFF the brotherhood: U Got the Look
Mitttwoch, 10. Februar 2010
Hinter dem Bandnamen JEFF the brotherhood
verbirgt sich in der Tat ein Brüderpaar, die Bedeutung des "Jeff"
hat sich mir allerdings (noch) nicht erschlossen, denn die beiden heißen
mit Vornamen Jake (voc, g) und Jamin (dr), mit Nachnamen Orrall. Das
ist ein in den USA nicht völlig unbekannter Name, denn ihr Vater
Robert Ellis Orral, Jahrgang 1955, ist seit vielen Jahren als Singer/Songwriter
und Produzent aktiv. Beheimatet sind die Orralls in Nashville, aber
mit Country haben sie eher nichts am Hut. - Irgendwo sind JEFF the brotherhood
schon ziemlich typisch für die Szene (ich glaube, mittlerweile
gibt es eine solche) der gitarrenlastigen Duos: ein bisschen Grunge,
ein bisschen Punk, ein bissschen Psychedelic und vor allem straighter,
hier oftmals bei aller Rauheit sehr melodischer Rock. Aktiv sind die
beiden unter wechselnden Namen schon seit 2001, anfangs gewissermaßen
in Teilzeit, denn kleinere Tourneen wurden nur in den Schul- und Collegeferien
unternommen. Einige Alben, die in den offiziellen Diskographien nicht
aufgeführt werden, haben sie im Studio ihres Vaters aufgenommen
und in Eigenregie vertrieben, sprich: auf Konzerten verkauft. In Eigenregie
vermarkten sie sich auch heute noch, denn das Label Infinity Cat Recordings,
bei dem 2008 ihre erste "richtige" LP "The Boys R Back
in Town" erschien, befindet sich in Familienbesitz. 2008 war auch
das Jahr, in dem Jake und Jamin ihre nur kurz ausgeübten bürgerlichen
Berufe an den Nagel gehängt haben, um sich fortan ganz dem Musiker-Lotterleben
widmen zu können. - Jetzt liebäugeln die beiden auch mit Europa.
"U Got the Look" stammt vom im Herbst 2009 nur in den USA
veröffentlichten Album "Heavy Days" und erscheint am
15. März zusammen mit "The Tropics" als Double-A-Side
(auf 500 Exemplare limitierte 7'') beim englischen Too Pure Singles
Club. Die UK-Radiostationen spielen die Titel schon, erste Rufe nach
Auftritten in der Alten Welt werden laut. Die werden nicht so leicht
zu realisieren sein, denn in den USA haben Jake und Jamin derzeit alle
vier Hände voll zu tun und touren landauf, landab.
So So Modern: Berlin (Live)
Dienstag, 9. Februar 2010
Die Textbeschreibung zum heutigen Video bei YouTube
ist so schön, dass ich sie unbedingt zur Gänze zitieren muss:
"Rare footage of 1980's Ukrainian super-group So So Modern
playing in the staff swimming pool at Chernobyl. Dated 25/04/86."
Der Uploader wird wohl aus dem Umfeld der einen ähnlichen Humor
pflegenden Band stammen, zumindest ist sein Heimatland laut seinem YouTube-Profil
- nein, nicht die Ukraine, sondern Neuseeland. Daher, und zwar aus Wellington,
stammen auch So So Modern. - Vorgestellt habe ich die Band erst im Januar,
mit dem erwähnten ausführlicheren Porträt wird's wg.
Zeitmangel heute wieder nichts, und "Berlin" kann ich zwar
nun endlich, wie im letzten Beitrag versprochen, als Video vorstellen,
aber nicht in der Studioversion vom am 1. März erscheinenden Album
"Crude Futures". Das Live-Video, sichtlich während eines
Auftritts in diesem Winter irgendwo in Neuseeland entstanden - das Publikum
verrät's, auch hinsichtlich der luftigen Kleidung, dort ist ja
bekanntlich gerade Sommer -, wurde erst vor gut einer Woche hochgeladen
und ist soundmäßig nicht so ganz auf der Höhe. Trotzdem
macht es mir jede Menge Appetit auf die Albumversion, die ich hier,
das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, auch noch präsentieren
werde - für mich garantiert auch Ende 2010 noch einer der stärksten
Tracks des Jahres! Und dass der in der Electro-Rubrik am Dienstag präsentiert
wird, macht trotz des exzessiven Gitarreneinsatzes Sinn, wie der weitere
Verlauf des Stückes zeigt. - So So Modern touren ja gerade durch
Europa und haben Anfang des Monats schon drei Gigs in Süddeutschland
gespielt. Am 26. kommen sie noch einmal nach Berlin (Magnet Club) und
am 27. nach Köln (Gebäude 9). Wann sie hier wieder vorkommen,
hängt vom Auftauchen der Studioversion von "Berlin" bei
YouTube ab...
Egyptian Hip Hop: Heavenly
Sonntag/Montag, 7./8. Februar 2010
Edit 7. Februar, 23.30
Uhr: Den ganzen Tag "auf Achse" gewesen und gerade erst
nach Hause gekommen - da muss der montägliche Blick zurück
leider ausfallen. Weiter geht's wie gewohnt am Dienstag mit Electro...
"Ive seen the future, and its Egyptian
Hip Hop!" schrieb ein Kritiker des NME, und in ähnliche
Hörner stoßen derzeit viele Print- und Online-Magazine im
UK. Die, um die's geht, nämlich Alexander Hewett (voc, keyb, b),
Louis Stevenson Miller (g, b, voc), Nick Delap (g, b) und Alex Pierce
(dr, keyb, voc), kommen aus Manchester, sind allesamt so um die 17 Jahre
alt, haben, obwohl gerade ihre erste Single erschienen ist, noch nicht
einmal einen "richtigen" Plattenvertrag, und machen Musik,
die trotz gelegentlicher Scratcheinschübe mit Hip Hop eher nichts
zu tun hat... - Der übliche Hype? Wohl nicht, denn wenn auch "Heavenly",
obwohl unter der Produzenten-Ägide von Late-of-the-Pier-Frontmann
Sam Eastgate entstanden, in meinen Ohren seltsam "unfertig"
klingt - das ist, finde ich, dann doch eine Art von Musik, der etwas
mehr aufnahmetechnische Finesse nicht schaden würde -, hat dieser
Song etwas Anrührendes (nicht im sentimentalen Sinn), das ihn weit
aus der Masse der Einheitsbrei-Veröffentlichungen hervorhebt. Von
"melodic grunge" ist im Zusammenhang mit Egyptian Hip Hop
oft die Rede, was nicht falsch ist, aber ein Bild des Ganzen nur dann
vermittelt, wenn auch die deutlich hörbaren Einflüsse von
Math Rock bis House und der Hauch von Manchester, der über all
dem liegt, nicht verschwiegen werden. Kurzurteil nach zwei meiner mit
Recht so beliebten :-) Schachtelsätze: Riesenpotential! - "Heavenly"
ist zusammen mit "Hazel Groove" am 1. Februar als limitierte
7'' bei Hit Club/Zarcorp erschienen (Zarcorp ist das von Late of the
Pier betriebene Label) und ausschließlich über Pure
Groove zum Preis von 5 englischen Pfund erhältlich. - Über
Egyptian Hip Hop bei Gelegenheit mehr, heute mangelt's mit leider an
Zeit!
Oliver Lang: Dying To Live (Original Club Mix)
Sonnabend, 6. Februar 2010
Wieder mal einer, den ich überhaupt nicht kannte,
obwohl er (nicht nur) im UK längst zu den Arrivierten zählt:
Oliver Lang aus Manchester. Gehört habe ich "Dying
To Live" zum ersten Mal bei Neil Moores Club Culture, und da hat's
mich, was lange nicht mehr passiert ist, richtig ein bisschen umgehauen,
denn das ist schon ein ziemlich starkes Stück Progressive House
und nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten eine der besten
Neuveröffentlichungen der letzten Zeit auf diesem Sektor. - Mich
hat's aber nicht nur umgehauen, ich hatte auch so eine Art Déjà-vu-Erlebnis
und hab' lange darüber nachgegrübelt, woran mich der Track
in einigen Passagen erinnert. Dann fiel mir ein Video ein, dass ich
vor über einem Jahr für einen Titel von David Leckenby gemacht
habe, und wenn man sich "Elements"
einmal aufmerksam anhört... Womit ich natürlich auch nicht
ansatzweise ein Abkupfern unterstellen will. Ich find's einfach
nur witzig, wie unterschiedlich - mal als House, mal als Ambient - ähnliche
Ideen umgesetzt werden. - Oliver Lang hat seit 2005 diverse Eigenproduktionen
und Remixe veröffentlicht, behandelt seine aufwändige Homepage,
wie's heute oft der Fall ist, in Sachen Updates ziemlich stiefmütterlich
und präsentiert bei MySpace eine von jenen Bios, bei denen ich
nach ein paar Sätzen keine rechte Lust zum Weiterlesen mehr habe.
Als DJ mit diversen Residenzen, Clubnächten und wasweißich
ist er höchst erfolgreich, und da müsste zwischen "ist
er" und "höchst erfolgreich" aus meiner Sicht eigentlich
noch ein "leider" stehen, denn er gehört durchaus zu
jener kleinen Riege von Producern, die ich mir viel häufiger im
Studio wünsche und die das Zeug dazu haben, "Großes"
zu schaffen - eigentlich wollte ich "Dying To Live" nicht
am Dance-Sonnabend, sondern am kommenden Electro-Dienstag vorstellen,
konnte es dann aber einfach nicht mehr abwarten. - Erschienen ist der
Titel zusammen mit "Mad Cat" am 25. Januar bei Leaders Of
The New School, dem exzellenten Tochterlabel der nicht minder exzellenten
Toolroom Records, die 2004 von Mark Knight ins Leben gerufen wurden.
Zur Zeit gibt's "Dying To Live" nur bei Beatport, am kommenden
Montag müsste, wenn mich meine Berechnung nicht täuscht, die
Beatport-Exklusivphase abgelaufen sein, was dann in der Regel nicht
nur mit Verfügbarkeit bei allen großen Download-Anbietern,
sondern auch einer kräftigen Reduzierung des Kaufpreises einhergeht.
Kismet: The Roll (Original Mix)
Freitag, 5. Februar 2010
Über Andreas Beiderwieden aus Bad Oldesloe, den
vielleicht bekanntesten unter den noch nicht sooo sehr bekannten Producern,
Remixern und DJs aus deutschen Landen und wie ich ein Verfechter des
gemäßigten Kurzhaarschnitts, habe ich ja bereits im vergangenen
Oktober
einen... äh... launigen :-) Beitrag verfasst, und eben merke
ich, dass ich irgendwie schon wieder auf diesem Trip bin. Das hängt
ein bisschen mit dem Bad Oldesloer Autokennzeichen OD zusammen, das
jeder gestandene Hamburger mit ängstlichem Respekt weitläufig
umfährt (man sagt dort, OD sei die Abkürzung für "Oller
Dussel"), aber auch mit dem Armin-van-Buuren-Zitat auf Andreas'
MySpace-Seite: "This guy is definitely someone to watch!"
Mit "this guy" meint er natürlich Herrn Beiderwieden,
und wenn er über den was anderes sagen würde, wär' er
ja schön blöd, weil das Nordlicht als Kismet
bei Armins Labeln Armada und Pilot 6 Recordings veröffentlicht. -
Recht hat er aber natürlich trotzdem, der niederländische
Dance-Großmeister, und im Augenblick kommt man mit dem Watchen
kaum nach, weil Andreas Beiderwieden die Tracks nur so heraushaut: mal
als Andrew Bennett, mal als Kismet, mal Trance, mal House. Beeindruckend
lang ist die Liste seiner Produktionen und Remixe bei MySpace mittlerweile,
zu der sich nun auch "The Roll" aus der Gattung Progressive
House gesellt. Der stark rhythmusbetonte Titel mit seinem irgendwie
vertraut klingenden Hauptmotiv (...die Zeiten, in denen man noch eine
wirklich neue Abfolge von Akkorden erschaffen konnte, sind wohl endgültig
vorbei) ist am 7. Januar als Original Mix und Re-Edit beim bereits erwähnten
Label Pilot 6 Recordings erschienen und wird von mir speziell für
den housigen Start ins Wochenende empfohlen. Wohl bekomm's!
Blood Red Shoes: Light It Up
Donnerstag, 4. Februar 2010
Da nehmen wir mal die Band von gestern,
reduzieren die Personalstärke von drei auf zwei, machen die Musik
noch eine Spur "krachiger" und rauer, und schon haben wir
Blood Red Shoes kreiert! - Na gut, das war jetzt stark
vereinfacht und ziemlich übertrieben, und wenn überhaupt,
dann hat sich das genau andersrum abgespielt, denn das Duo aus Brighton
gibt's ja bekanntlich schon viel länger als Band Of Skulls, und
zwar seit 2005. Fast genau zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich Laura-Mary
Carter (voc, g) und Steven Ansell (voc, dr)
hier
vorgestellt habe, natürlich inklusive Erwähnung der White
Stripes, ein Vergleich, den Blood Red Shoes schon damals nicht mochten
und heute vermutlich noch viel weniger - und der ja auch überhaupt
nicht zutrifft. Irgendwo zwischen Grunge, Punk und schlichtem Hardrock
bewegt sich die von Anbeginn an heftig tourende Mini-Band, die ihre
ersten Singles bei kleineren Indie-Labels veröffentlicht hat, dann
2007 zu Richard Bransons V2 Records wechselte und sich plötzlich
beim Biz-Giganten Universal wiederfand, der V2 gekauft hatte. Dort erschien
dann auch im April 2008 das Debütalbum "Box Of Secrets",
das es bis auf Platz 47 der UK-Alben-Charts brachte, und wiederum von
V2 wird am 1. März 2010 der Nachfolger "Fire Like This"
veröffentlicht. Bereits am 22. Februar erscheint als Vorab-Single
"Light It Up" als 7'' Vinyl und digitaler Download - hübsches,
zwischen verhaltenen und aggressiveren Passagen changierendes Stück
mit viel "Hey, hey, hey" und gekonntem Satzgesang. - Nach
einem Konzert in Tokyo am 15. bereisen Blood Red Shoes ab dem 20. Februar
bis tief in den April hinein weite Teile Europas und lassen sich im
Rahmen ihrer ziemlich gigantischen Tournee im März auch mal wieder
in Deutschland blicken: Gigs in Hamburg (20.), Berlin (21.), Münster
(22.), Köln (23.), München (24.) und Stuttgart (25.) stehen
auf dem Programm, die Locations findet man bei MySpace.
Wikipedia (deutsch) über Blood Red Shoes
Band Of Skulls: I Know What I Am
Mittwoch, 3. Februar 2010
Für den heutigen Track des Tages hab' ich schon
im Vorfeld Haue bezogen, aber irgendwie war mal was Straightes dran,
zumal ich mich heute (also am Dienstag) ganz straight und überdies
viel zu leicht bekleidet eine gute Stunde lang bei eisigstem Wind durch
Schneeverwehungen geschaufelt habe, in denen sich der Wagen eines Freundes
festgefahren hatte. Man soll sich die Leute, denen man sich als Beifahrer
anvertraut, eben vorher genauer anschauen :-)... - Band of Skulls sind
eine echte College-Band aus Southampton, wo Russell Marsden (voc, g),
Emma Richardson (voc, b) und Matt Hayward (dr) 2008 unter dem Namen
Fleeing New York begonnen haben. Heute hält man sich mehr im nicht
so sehr weit entfernten London auf und kann auf ein höchst erfolgreiches
Jahr 2009 zurückblicken, in dem gleich mit dem Debütalbum
"Baby Darling Doll Face Honey", im März erschienen beim
US-Indie-Label Shangri-La Music und zunächst exklusiv bei iTunes
veröffentlicht, der Durchbruch gelang. Damit das auch 2010 so weitergeht,
starten Band of Skulls morgen zu einer ausgedehnten UK-Headliner-Tournee,
im letzten Märzdrittel wird dann gemeinsam mit Black Rebel Motorcycle
Club durch die Vereinigten Staaten getourt, und am 17. April steht ein
Auftritt beim Coachella Festival auf dem Programm. - "I Know What
I Am", die kurz vor dem Album veröffentlichte Debütsingle
und damit schon ein ziemlich alter Hut, zeigt, dass das Trio nicht nur
straighten Rock spielen, sondern auch hübsch posen kann. Da steigen
manchmal ganz leise Erinnerungen an 80er- oder gar 70er-Glamrock-Bands
in mir hoch (...fehlen nur noch die Plateausohlen!), aber wenn man sich
einmal ganz auf die Musik konzentriert, stellt man rasch fest, dass
die erstaunlich und erfreulich unprätentiös daherkommt: mit
sparsamer, fast schon spartanischer Instrumentierung. Der Versuchung
der vielen Spuren mit der Option, ein Trio wie ein Quintett oder Sextett
klingen zu lassen, ist die Band nicht erlegen und kann somit den Studio-Sound
live auch ohne technische Hilfsmittel so ziemlich 1:1 reproduzieren.
Manchmal ist weniger eben mehr, und ich alter Sack lasse mir nach sehr
unfreiwilligem Schneekontakt von denen gern die Kälte aus den Knochen
vertreiben...
Factory Floor: Wooden Box
Dienstag, 2. Februar 2010
Die werden in allerlei Reviews und Blogpostings gern
als "geheimnisvoll" bezeichnet, ihre Musik als "depressiv":
Factory Floor aus London. Also, als depressiv oder gar deprimierend
empfinde ich ihre Musik nun gar nicht, und das derzeit irgendwie angesagte
Geheimnisvoll-Geblubber bei jeder Band, die keinen Personenkult um ihre
Mitglieder veranstaltet, fängt so langsam an zu nerven. - Factory
Floor sind Dominic Butler (Keyboards und allerlei Effektgeräte),
Nic Colk (Gitarre, solo auch als Nik Void unterwegs) und Gabriel Gurnsey
(Schlagzeug). Im elektronischen Part wird vorwiegend älteres analoges
Gerät verwendet, Nic(ole?) Colk pflegt ihre Gitarre mit einem Violinbogen
und anderen Gegenständen zu malträtieren, und Gabriel Gurnsey
soll, so las ich's in mehreren Konzertkritiken, ein begnadeter Live-Drummer
sein. Ach ja, einer der beiden Herren singt auch, vermutlich Dominic
Butler. Was das Trio abliefert, erinnert irgendwo schon an Joy Division,
gewürzt mit einem ordentlichen Schuss Industrial und abgeschmeckt
mit einer Prise Sonic Youth. Klingt aber dennoch recht eigen und riss
einen Kritiker zu der Aussage hin, Factory Floor seien eine von drei
live erlebten Bands, "who have given me a physical sense of a high,
a lightened brain and aerobic synapses". Ich hoffe, das lag wirklich
nur an der Musik und nicht an irgendwelchen konsumierten chemischen
Substanzen :-). Ansonsten ist das eine durchaus stimmige Aussage, die
ich nachvollziehen kann. - Im Guardian waren Factory Floor die letzte
2009 vorgestellte "Band Of the Day", auch anderweitig ist
viel Geschriebenes (aber überwiegend trotz positiver Tendenz seltsam
Nichtssagendes) zu finden, Airplay gibt's nicht nur von den alternativen
Stationen, sondern gar von der BBC - da bahnt sich wohl gerade ein Durchbruch
an. Wo "Wooden Box", bei YouTube unter "Wooden Box Tape"
laufend, erschienen ist oder, wahrscheinlicher, erscheinen wird - ja,
mal wieder keine Ahnung. Ich hab's nicht weiter verfolgt und war froh,
die MySpace-Seite der Band wegklicken zu können, weil die definitiv
nicht für Menschen gemacht ist, die sich mit einer mageren Übertragungsrate
von 384 kbit/s durchs Web bewegen müssen. Präsentiert wird
hier ein Mitschnitt von BBC Radio 6 inklusive Ansage von Erol Alkan
und nervigem Mittendrin-Jingle - hab' leider nix Besseres gefunden...
King Tubby: Take 5 Dub (70er?)
Montag, 1. Februar 2010
Wenn's um Reggae geht, dann kann ich nicht wirklich
mitreden - das ist, ganz wertfrei, eine Musikrichtung, die mich nie
so sonderlich interessiert hat. Eine kleine Ausnahme bildet englischer
Dub-Reggae aus den 70ern und frühen 80ern - mancher Hallorgie mit
endlos monotonen Bassläufen hab' ich damals hin und wieder via
BFBS (das lief, glaube ich, in irgendwelchen Nachtsendungen) mit einem
gewissen Interesse gelauscht, ohne mich je intensiver mit den Interpreten
zu befassen. - Nee, hier geht's heute nicht um englischen Dub-Reggae,
sondern um den, der den Dub erfunden hat - sagt zumindest eine Legende.
Die Rede ist von Osbourne Ruddock (1941-1989), besser bekannt als King
Tubby und natürlich, wie sich's für einen Reggae-Spezialisten
gehört, ein waschechter Jamaikaner. Seine bewegte Lebensgeschichte
bis hin zu seinem tragischen Tod (er wurde auf offener Straße
erschossen, vermutlich von Straßenräubern) kann man bei Wikipedia
nachlesen, und da steht auch, wie das Ende der 60er alles losging -
eigentlich nicht nur mit dem Dub, sondern auch mit dem Remixen. - Ein
Remix ist dann, streng genommen, auch der heutige Track des Tages: King
Tubby hat das Original des berühmtesten Stückes des Dave-Brubeck-Quartetts,
im Jahr 1959 komponiert von dessen Saxophonisten Paul Desmond, in bester
Remixer-Manier für seine Take-5-Dub-Version "verwurstet".
Wann genau die entstanden ist, hat mir das Web nicht verraten. Erschienen
ist sie erst lange nach Osbourne Ruddocks Tod im Jahr 2002 auf einem
Sampler, und "Take Five" als Dub hört sich auch ein Nicht-Reggae-Experte
bzw. -Fan wie ich mit Genuss an. - Mal schauen, ob ich nicht für
den nächsten Montag eine der erwähnten UK-Hallorgien auftreiben
kann...
Wikipedia (deutsch) über King Tubby
Wikipedia (englisch) über King Tubby